Kurze Geschichte des Hinduismus

Von der vedischen Periode zum Neohinduismus

26.12.2009 Martin Bohn

Die Geschichte des Hinduismus kann grob in folgende vier Phasen untergliedert werden: vedische Periode, klassische Periode, islamischer Einfluss und Neohinduismus.

Der Hinduismus ist die Religion der Mehrheit der Menschen im heutigen Indien und Nepal. Aber auch in anderen Ländern wie Indonesien, Bangladesh, Pakistan, Malaysia, Großbritannien und Mauritius gehört ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung der hinduistischen Kultur und Religion an. Weltweit gibt es etwa 900 Millionen Hindus, damit ist der Hinduismus die drittgrößte Religion der Welt.

Vedische Periode und Upanischaden

Der Hinduismus durchlief mehrere Phasen in seiner Entwicklung. Die Ursprünge liegen in der vedischen Periode. Das Alter der vier Veden ist schwer zu bestimmen, sie werden aber auf mindestens 3500 Jahre alt geschätzt. Die frühe vedische Religion war von Opferhandlungen und Hymnen an eine vielgestaltige, eng mit den Naturkräften identifizierte Götterwelt geprägt. So wurde der vedische Gott Indra mit Sturm und Donner in Verbindung gebracht und war ebenso eine zentrale Gottheit wie Agni, der Gott des Feuers. Es gab zu der Zeit keine Tempel, als Gottesdienst wurden Feueropfer abgehalten.

In der nächsten Stufe folgte die Zeit der Upanischaden (ab etwa 800 vor Christus), in der eine deutliche Neuausrichtung stattfand. Das Gottesbild wurde innerlicher und Konzepte wie Wiedergeburt, Yoga und Karma wurden geprägt, welche bis heute von zentraler Bedeutung sind.

Klassische Periode

Ab etwa 500 vor Christus liegt die klassische Zeit des Hinduismus, in der die bis heute gültigen Hauptgottesformen Brahma, Vishnu und Shiva sowie die Avatare Rama und Krishna wichtig wurden. In dieser Periode wurden Tempel gebaut und mit der Ramayana, dem Mahabharata und der Bhagavad-Gita entstanden drei zentrale Schriften des Hinduismus. Ab dem 5. Jahrhundert nach Christus entstanden außerdem die Puranas - volkstümliche Göttergeschichten, welche die philosophischen Lehren der Gita und Upanischaden in symbolhaft-dramatische Geschichten verpacken - nicht unähnlich den griechischen Göttersagen und Legenden.

Bhakti-Yoga und Tantra

In der klassischen Periode entstand auch der volkstümliche Bhakti-Yoga, der Weg der Hingabe zu Gott, welcher auch einfachen Menschen der unteren Kasten offen stand. Außerdem entwickelte sich der Weg des Tantra mit seiner Betonung der weiblich-sinnlichen Seite der Spiritualität und charakteristischen Praktiken und Konzepten wie Mantra, Yantra, Shakti und Kundalini.

Islamischer Einfluss

Ab Anfang des 8. Jahrhunderts gab es einen zunehmenden Einfluss des Islam, der sich durch Eroberungen territorial immer weiter in die indische Halbinsel hinein schob, bis das Mogulreich im 17. Jahrhundert schließlich fast ganz Indien umfasste. Der Islam hat den Hinduismus in vielerlei Hinsicht bereichert und die indische Kultur und Geschichte wesentlich mitgeprägt und ist heute mit etwa 160 Millionen Anhängern die zweitgrößte Religion Indiens.

Neohinduismus

Ab dem 19. Jahrhundert begann eine Zeit der spirituell-sozialen Erneuerung, die zu einem beträchtlichen Teil durch spirituelle Meister wie Aurobindo, Ramakrishna und Swami Vivekananda inspiriert war und bis heute andauert. In diesem Zeitraum erwachte auch erstmals ein allgemeines National- und Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Hindus, was unter anderem zu einer starken Unabhängigkeitsbewegung führte.

Die heiligen Schriften des Hinduismus

Neben den bereits genannten Veden, die als zeitlose Offenbarung Gottes aufgefasst werden und von vedischen Sehern (Rishis) niedergeschrieben worden sein sollen, gelten die dazu gehörigen Upanischaden sowie die Götter-Epen Ramayana (Geschichte Ramas) und Mahabharata (die große Geschichte der Bharatas) zu den wichtigsten heiligen Schriften. Die Bhagavad Gita, der unsterbliche Dialog Krishnas und Arjunas auf dem Schlachtfeld Kurukshetra, ist dabei eingebettet in den großen, etwa 100.000 Doppelverse umfassenden Epos Mahabharata.

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